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Der Schinderhannes PDF Drucken E-Mail
Der Räuberhauptmann Johannes Bückler im Soowald
 
Der SchinderhannesNoch immer lebt jene Gestalt weiter in Geschichten - teils erfunden, teils wahr - die ihn eher sympathisch erscheinen lassen. Johannes Bückler, genannt "Schinderhannes", hat den größten Teil seiner Untaten im Hunsrück begangen, und authentische Stätten im Soonwald können über jene geheimnisvollen Begebenheiten und Begegnungen berichten, die zwischen 1779, dem Geburtstag von Hannes und jenem verhängnisvollen 21. November 1803, dem Tag, an dem das Fallbeil dem Räuber- leben ein Ende setzte, das Volk hier in Atem hielt.  

Er stammte, so steht es in den Prozessakten, aus Miehlen bei Nastätten im Taunus. Mit seinen Eltern kam er nach mehreren unsteten Aufenthalten nach Veitsrodt und begann hier seine räuberische Laufbahn als Jugendlicher, indem er bei dem Abdecker, Scharfrichter und Knochenflicker, der ihn als Schindergehilfe eingestellt hatte, eine Kuhhaut und sechs Kalbsfelle entwendete; und mehrere Hämmel eines nahe gelegenen Hofes nahm er kurzer Hand ebenfalls mit.

Er wurde gefasst und als Strafe öffentlich verprügelt.  Diese Prügel war für sein ganzes Leben maßgebend, denn jene Schmach gab den Anlass, "dass sie ihn jetzt kennen lernen sollten".  

Der SchinderhannesNach ersten Kontakten zu anderen Banden des Hunsrücks befehligte er bald eine eigene Räuberbande, die unzählige Straftaten beging, von denen 52 in Mainz ihm den Kopf kosteten. Die Bande hatte über 70 Mitglieder und 67 davon wurden mit angeklagt, aber 20 freigesprochen. Oft saß er in Gefängnissen, aus denen er schon über Nacht verschwand. Die Inhaftierung im Turm von Simmern endete nach drei Monaten in einer legendären Flucht. Noch vor kurzer Zeit konnte man in dem Turm übernachten, allerdings nicht auf der Gefängnispritsche, sondern in den Betten der Jugendherberge. Im angrenzenden Lützelsoon hatte er seine Verstecke, z.B. auf der Schmidtburg im Hahnenbachtal. Im Soonwald, in der Nähe der Hoxmühle, kann man noch zu einer Höhle pilgern, von der man sagt, dass der Räuber Schinderhannes einige Zeit hier gehaust haben soll.  

Der SchinderhannesJulchen lernte er erst mit 20 Jahren kennen; zuvor hatte er bereits acht andere Geliebte an seine "Untertanen" weitergegeben. Man hat erfahren, dass sie vorzüglich die Violine spielte und die letzten vier Jahre bis zu seinem Tod bei ihm blieb. Noch im Gefängnis, kurz vor seinem unfreiwilligen Tod, gebar sie seinen Sohn.  

Was den Mythos so entstehen ließ, sind Geschichten, die davon berichten, dass Schinderhannes die Reichen bestahl und den Armen etwas zukommen ließ.
 
Dieses Verhalten glorifiziert ihn, und unzählige Romane, Balladen, Filme und Theaterstücke basieren auf der Lebensgeschichte und auf abenteuerliche und lustige Begebenheiten, die man sich allerorts erzählt.  

Moritat über den SchinderhannesFast wurde er zu einem Nationalheiligen dieser Gegend, obwohl es kein Grab von ihm gibt; in Heidelberg sollen seine Gebeine liegen, in der Universität! Jedenfalls schmälert es nicht seinen Ruf, den man ebenfalls geschickt vermarktet. Hier gibt es Schinderhannes-Brot (übrigens zu empfehlen!), auf vielen Speisekarten kann man Schinderhannes-Spieße, -Schnitzel, Räubersteaks oder sonstige Speisen entdecken.   

Vielleicht möchten auch Sie sich auf den Spuren des Räuberhauptmannes bewegen, dann machen Sie eine Planwagenfahrt durch den Soon. Auch wenn man den Gauner dort nicht mehr findet, so bleibt doch die Romantik und die Möglichkeit, schöne Tage in urwüchsiger Umgebung zu erleben.
 
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