Aus den vergangenen Tagen des Waldes Wenn man vom Kellenbachtal aus in östliche Richtung blickt, dann hat man einen riesigen Wald vor sich, der bis nach Stromberg ins Guldenbachtal reicht: den Soonwald. Bestehend aus Quarzit und Schiefer bildet dieser Teil des Hunsrücks einen felsigen Kamm, der vielerorts zu erkennen ist.
Nicht nur Ritter und Römer haben hier gelebt und Erinnerungsstücke zurückgelassen, sondern lange vorher, 500 Jahre vor Chr., gab es hier schon Menschen. Auch sie haben uns in den Kalkhöhlen bei Stromberg Interessantes aus ihrem Leben hinterlassen.

Wild und romantisch war der Soonwald schon immer, und viele Märchen, Sagen und Lieder übermitteln auch heute noch einen Hauch vom Leben in vergangenen Tagen, als der Soonwald noch nicht so leicht zu durchqueren und die Angst vor Räubern noch berechtigt war. Der Mythos von Schinderhannes hängt auch heute noch in den Gemütern und trägt zu einer Romantik bei, die zu jenem Menschenschlag passt, der hier über Jahrhunderte ausharrte in einem kargen Leben und den Unbilden einer rauen Landschaft. Hier musste, am Rande des Soonwaldes, wo noch die Bodenbeschaffenheit es zuließ, ein Feld oft mehrmals gedüngt werden, bevor ein Ertrag die Arbeit rechtfertigte. Über die Bauern sagte man: "Gab es ein gutes Jahr und ist er zufrieden, dann war es auch ein schweres Jahr." Die raue Luft, verbunden mit einer harten Arbeit, und oft harten Winter ließen einen ebenso bedürfnislosen und harten Menschenschlag entstehen: "Scharfkantig und steifnackig, stark gebaut, die Nerven nicht sehr empfindlich, wissen wenig über Bequemlichkeit, arbeitsam und starke Esser." (Ausspruch von 1900.)
Zu dem kargen Leben hier kam noch, dass auch das Obst nicht so hervorragend sich entwickelte wie in den Tälern und "iewerm Wall" (jenseits des Soonwaldes); wo das Klima etwas besser ist, hat man schon immer im Herbst Äpfel und Birnen gekeltert. Einige Süßmostereien gibt es heute noch. Apfel- und Birnenwein hat man zum Essen getrunken oder aufs Feld oder in den Wald mitgenommen. In Kellenbach hatte man vergeblich versucht, Reben anzupflanzen, das kühle Klima gab aber keine Chance. In diesem Waldland gab es aber reichlich "Wääle" (Heidelbeeren), Brombeeren und die wohlschmeckenden Himbeeren, die dann in ausschwärmender Weise von den Bewohnern der Randgebiete des Soonwaldes gesammelt wurden, wie auch die Nüsse und Bucheckern.
Oberförster Großholz führte hier in den Jahren 1849 bis 1865 die Kartoffel ein, und eine Strophe im Lied des Jägers aus Kurpfalz erinnert noch an jene Zeiten, wo man erkannte, dass die Kartoffel ein ideales Nahrungsmittel darstellte und ein Leben ohne "Quellkrumbeere" kaum noch denkbar war.

Apropos
Jäger aus Kurpfalz . In den Spinnstuben wurde früher viel gesungen, unter anderem auch das Lied des Jägers aus Kurpfalz, der somit in ständiger Erinnerung war, obwohl hier die Meinungen, wer denn wohl der rechtmäßige reitende Jägersmann aus Kurpfalz war, auseinander gehen. 1913 lebte die Geschichte - oder der Streit - wieder auf, als das Denkmal vom Jäger aus Kurpfalz bei Entenpfuhl von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht wurde.
Obwohl es im Soonwald selbst nur einige Orte gibt, wird er trotzdem von den Randbewohnern als ihre Heimat betrachtet. Für viele war und ist er eine Arbeitsstelle. Holz wurde schon immer viel gebraucht, und durch das Hüttenwesen verschlimmerte sich der Raubbau des Waldes. Im Mittelalter und danach hatte der Soonwald ein anderes Aussehen. Soon, von dem Wort "Sane" herrührend, heißt soviel wie Weidewald oder Viehwald. Keine Bäume, wie sie jetzt hier stehen, wuchsen damals an gleicher Stelle, sondern niedere Bäume, wie Hainbuche, Birke, Erle, Haselnuss und Weide stellten den Wald dar.
Erst seit 1789 werden Nadelbäume angepflanzt. Zu jener Zeit gab es in dem feuchtkühlen Soonwald auch Buchen und Eichen, und die Bevölkerung verstand sich darauf, auch die Eicheln im täglichen Leben zu verwenden.
Aus allen umliegenden Orten wurden die Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen meist von Hirten in den Wald getrieben zur Fütterung (was noch in einigen Orten bis vor wenigen Jahren stattfand), und im Herbst trieb man auch die Schweine ins dichte Gehölz.
Die Grundherren schränkten bei der Bevölkerungszunahme die Weiderechte ein, und das Waldstück zwischen Kallweiler, Alteburg und Seesbach wurde zum "Verbotenen Soon", und auch in dem verbleibenden "Gemeinen Soon" wurde die Weidezeit von der Kurpfälzischen Regierung eingeschränkt. Nur noch im Winter und gegen Zahlung eines Eckerichgeldes durfte der Wald genutzt werden. Man weiß von harten Strafen, wenn nur ein Sack voll Laub dem Wald "entnommen" wurde. Später wurden jene Rechte gegen viel Geld an Viehhändler und Gemeinden vergeben und stellte einen Teil der Besoldung dar. Etwa 1300 Rinder und 2000 Schweine weideten jährlich in dem Teil des Soonwaldes, der von Kreuznach berechnet wurde.

Noch heute erinnern Namen wie Kohlplacken oder Kohlweg an die Zeiten der Holzkohlengewinnung durch Meiler. Im 17. und 18. Jh. galt die Holzkohle als rentable Waldnutzung, denn der Bedarf durch die Erzverhüttung stieg mächtig an. Die drei Soonwaldhütten verbrauchten eine solch große Menge an Holz (je Hütte ca. 80 Hektar!), dass es auf Dauer nicht gut gehen konnte, und die Steinkohle löste die Holzkohle ab. Die letzten Meiler erloschen um 1918. Einen lohnenden Nebenverdienst hatten die Bauern darin gesehen, Asche zu brennen. Zwanzig Kessel waren in Betrieb und belieferten die Potasche-Sieder, die wiederum die Glasindustrie belieferten. Später wurde das heimliche Brennen mit Zuchthaus bestraft.
Ehemalige Herrenhäuser, ein Magazin und Teile des Hochofens sind einmalige Dokumente der Gräfenbacherhütte aus den Jahren 1785 bis zur Einstellung der Hütte 1860. Heute ist das Industriedenkmal ein beliebtes Ausflugsziel und Ausgangspunkt für schöne und einzigartige Wanderungen.
Der Soonwald war eine willkommene Zuflucht für lichtscheue Leute wie z.B. Schinderhannes und seine Spießgesellen. Hier gab es viele Verstecke und Unterschlupfmöglichkeiten in abgelegen Höfen. In Simmern, am Rande des Soonwaldes, gibt es einen Turm, in dem der bekannte Räuber für kurze Zeit gefangen war.
Wenn man in der heutigen Zeit den Soonwald aus einer anderen Perspektive sieht, in erster Linie touristisch als Wander-, Erholungs- und Kulturlandschaft und vielleicht mit dem Auto kommt, um jene herrlichen Höhen zu erwandern - dort, wo der raue Wind das Frühjahr erst spät hervorkommen lässt - der erfährt nichts von den kleinen Ereignissen und Ängsten der Bauern, die hier viele Jahrhunderte in zum Teil urständiger Natürlichkeit ihre Familien ernährten und beschützten. Wer allein einmal einen einsamen Waldweg entlanggeht, der kann vielleicht noch, wie in der Zeit versetzt, den Jäger aus Kurpfalz erahnen oder eine Kutsche, die auf dem holperigen Weg die nächste Burg erreichen will - vielleicht lauert aber auch Schinderhannes hinter einem Baum - nun, diese Träumerei ist wohltuend, aber sie muss den tatsächlichen Begebenheiten Platz machen, denn der Soonwald ist für viele Menschen, die in Stress leben, eine erholsame Pille, und für jeden, der hier verweilen möchte, stehen viele Parkplätze zur Verfügung, viele Cafés und Restaurants, auch am Rande des Soonwaldes, sind gerüstet, Erkundungshungrige vor oder nach ihren Spaziergängen in ihrer sympathischen Umgebung aufzunehmen.